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Prämierter Text (Details zum geplanten Beitrag)

Astrid Geisler
Titel des geplanten Beitrags:
»Das vergessene Land? Über den leisen und stetigen Aufstieg der Rechtsextremen in Ostvorpommern«
» Details zum geplanten Beitrag
» Kurzbiographie
» Begründung der Jury
Astrid Geisler
Rechtsextremismus
TITEL DES GEPLANTEN BEITRAGS:
DAS VERGESSENE LAND? ÜBER DEN LEISEN UND STETIGEN AUFSTIEG DER RECHTSEXTREMEN IN OSTVORPOMMERN
In vielen Orten im Nordosten Mecklenburg-Vorpommern unweit der polnischen Grenze hat die NPD bei der Bundestagswahl ähnlich gut abgeschnitten wie in ihrer Vorzeigeregion, der Sächsischen Schweiz: 16,8 Prozent der Stimmen in Bargischow, 16,6 Prozent in Neukirchen, 15,5 Prozent in Postlow, 14,6 Prozent in Ziethen.
Die Wahl bestätigt, wovor Opferberatungsstellen und mobile Beratungs-teams seit mehreren Jahren warnen. In der Bevölkerung stoßen Rechtsextreme mit ihrem Gedankengut zunehmend auf Rückhalt und das, obwohl im Gegensatz zur Sächsischen Schweiz bisher weder NPD noch DVU oder Republikaner nennenswerte Strukturen in der Gegend aufgebaut haben. Trotzdem ist zu befürchten, dass bei der Landtagswahl im Herbst 2006 die NPD einen weiteren Wahltriumph wird feiern können, zumal dann, wenn die genannten Parteien im Vorfeld der Wahlen ihren personellen und materiellen Einsatz vor Ort deutlich erhöhen.
Die Jury hat den Antrag auf ein Recherchestipendium im Rahmen des Otto Brenner Preises aus mehreren Gründen positiv beschieden. Auf einen kurzen Nenner gebracht, ist das Thema Rechtsextremismus nach wie vor von großer Relevanz, leidet aber häufig unter kurzatmiger Berichterstattung, die kaum einen Blick hinter das Offensichtliche erlaubt. Aufgrund der Vorarbeiten und Vorüberlegungen der Preisträgerin kann erwartet werden, dass das geplante Reportage-Dossier sich positiv von der breiten Masse der Berichterstattung abhebt, Aufmerksamkeit auf ein nach wie vor in den Medien unterrepräsentiertes Thema lenkt und nicht nur Sachverhalte beschreibt, sondern auch aufzeigt, wo Politikverantwortliche, Vereine, Organisationen und engagierte Bürger wachsam sein müssen bzw. aktiv eingreifen können. Nicht zuletzt gilt auch hier, dass die Wahrnehmung und das Verstehen eines »Problems« immer am Anfang eines adäquaten Umgangs mit selbigem steht.
Da gründliches Arbeiten und Recherche in der Hektik des Redaktionsalltags schlichtweg nicht (mehr) möglich ist, wird sich die Preisträgerin zwei bis drei Wochen Zeit nehmen und vor Ort entsprechend des Mottos der Ausschreibung des Otto Brenner Preises recherchieren.
Die Stipendiatin, die bereits in Vorarbeiten ihre Kompetenz im Bereich der Berichterstattung über Rechtsextremismus unter Beweis gestellt hat, hat für ihre Recherchen ein ganzes Bündel an Leitfragen formuliert. Dieser Fragenkatalog beinhaltet die Betrachtung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen der Region, die sich durch hohe Arbeitslosigkeit und dadurch induzierte Abwanderung auszeichnet. In einem weiteren Schritt erfolgt eine nähere Analyse der Strategie der »Rechten«, das heisst, deren Binnenstruktur, Auftreten in der Öffentlichkeit, Arbeit in politischen Gremien (zum Beispiel Kreisparlamente) und strategischer Ansatz zur Stimmenmaximierung. Schließlich werden Fragen der politischen Kultur der Region und Einstellungen zur Demokratie thematisiert; auch dies vor dem Hintergrund der starken sozialen Verwerfungen und eines weit verbreiteten Gefühls der Marginalisierung.
Schon im Vorfeld der eigentlichen Recherche hat die Stipendiatin Kontakte zu einer Vielzahl von relevanten Akteuren geknüpft, die für Interviews zur Verfügung stehen. Das Spektrum der Interviewpartner reicht dabei von rechtsextremem Protagonisten über im Kampf gegen Rechtsextremismus engagierte Bürger und Bürgerinnen bis hin zu Landespolitikern, Fachreferenten der Verfassungsschutzorgane, Vertretern der Arbeitsmarktverwaltung, Vertretern der örtlichen Wirtschaft und Gewerkschaften. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf die Personengruppen geworfen, die nach jetzigem Stand des Wissens als wahrscheinliches bzw. mögliches »Klientel« der Rechtsextremen erscheinen; in diesem Zusammenhang soll beschrieben werden, aus welchen Motiven heraus eine Affinität zu rechtsextremen Parteien entsteht bzw. welche Faktoren diesen Prozess fördern.






