Frank Jansen
"Wenn keiner nach den Rechten sieht", Langzeit-Reportagen über die Opfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland
Der nachfolgende Artikel, veröffentlicht im Tagesspiegel am 5. Dezember 2005,ist einer von vielen Beiträgen des Autors, die letztlich dazu geführt haben, dassdie behördlichen Ermittlungen im Fall Rico R. in Gang gesetzt wurden.
Es geht um Nazis, Gewalt, den Osten und die Polizei. Am Ende klingt alleswie ein Krimi, bei dem der Autor übertrieben hat
Download: Beitrag Frank Jansen, 2. Preis
"Sie haben Brandnarben oder mühsam geheilte Schädelbrüche und fastimmer die lebenslange Angst, es könnte noch einmal geschehen:Längst gibt es mehrere tausend Opfer von rechtsextremen Gewalttätern inDeutschland, doch ihr Schicksal ist kaum bekannt. Frank Jansen, Reporterbeim Tagesspiegel, ist einer von den wenigen, denen das keine Ruhe lässt.Seit 10 Jahren schreibt er immer wieder über jene, die von den Schlägernfür’s Leben gezeichnet wurden. Seine einfühlsamen Reportagen stemmensich gegen die verzerrte Medienperspektive, die den Tätern öffentlicheAufmerksamkeit verschafft, während ihre Opfer ihr Trauma meist alleinbewältigen müssen. Solches Engagement braucht nicht nur die Hartnäckigkeit, das Thema imRedaktionsalltag immer wieder durchzusetzen, sondern auch den Mut, sichvon den Drohungen aus der Naziszene nicht abschrecken zu lassen. FrankJansen erhält daher den zweiten Preis für seine Reportagen über den Fall des 16-jährigen Ricco R., der in Zerbst im Sommer 2005 sein rechtes Augenach einem Schlag mit einem Bierglas verlor, weil dem Schläger die Auf-schrift seines T-Shirts „Gegen Nazis“ nicht passte. Den örtlichen Polizistenwar das zunächst nicht mal eine Zeugenbefragung wert. Erst durch JansensRecherchen kam die Ermittlung in Gang."