Auf dieser Seite haben Sie die Möglichkeit, die Eröffnungsrede zum Otto Brenner Preis 2006 von Jürgen Peters zu lesen und einige Impressionen vom Otto Brenner Preis 2006 über eine Bildergalerie zu bekommen.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
herzlich willkommen zur zweiten Preisverleihung des Otto Brenner Preises für Kritischen Journalismus. Die heutige Preisverleihung ist nur der Höhepunkt einer intensiven Beschäftigung mit kritischen, journalistischen Beiträgen, die bei uns während der Ausschreibungsphase in den letzten Monaten eingegangen sind.
Rund 210 Beiträge aus allen Medienbereichen und über alle Genres hinweg, wurden sortiert, gesichtet und von der Jury fachkundig bewertet.
Die Jury hat ihre Wahl getroffen. Und die Wahl war nicht einfach. Die Beiträge hatten ein hohes Niveau. Das hat die Aufgabe für die Jury nicht einfacher gemacht, aber interessanter.
Die Preisträger sollen Ihnen und Euch heute Abend vorgestellt werden.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
besonders begrüßen möchte ich unseren heutigen Festredner: Herrn Frank A. Meyer, den Publizisten des Ringier-Verlags. Herzlich Willkommen.
Ich denke, dass wir mit ihm nicht nur einen profunden Kenner der Szene gewinnen konnten, sondern auch jemanden für unser Anliegen. Zudem kommt Herr Meyer aus der Schweiz. Man darf trotz der Nähe unterstellen, dass er Deutschland von außen betrachtet.
Und von außen fällt die Diagnose oft klarer und treffender aus. Herr Meyer, herzlichen Dank, dass Sie heute Abend bei der Otto Brenner Stiftung zu Gast sind!
Es freut mich besonders, dass unser Brenner-Preis so viel Interesse geweckt hat und heute Abend so viele hierher zu uns nach Berlin zur Preisverleihung gekommen sind.
Dies ist keine Selbstverständlichkeit! Keine Selbstverständlichkeit deshalb, weil es Journalistenpreise und Preisverleihungen zuhauf gibt.
Da hat sich mancher gefragt, warum jetzt auch noch die Otto Brenner Stiftung? Das Interesse, dass Sie, dass Ihr uns heute Abend zeigt, macht deutlich, dass wir richtig gelegen haben. Richtig gelegen mit dem Anliegen auf den Zustand des deutschen Journalismus aufmerksam zu machen.
Richtig gelegen haben mit dem Anliegen, junge Journalistinnen und Journalisten zu fördern bzw. öffentlich zu beglückwünschen für den Mut, das Engagement und die Hartnäckigkeit, die es heute erfordert, um sich dem breiten neoliberalen Mainstream, der längst auch schon den Journalismus erfasst hat, zu widersetzen.
Lassen Sie mich an dieser Stelle die Jury ganz besonders begrüßen, ohne deren Unterstützung der Otto Brenner Preis für Kritischen Journalismus heute nicht das wäre, was er in kurzer Zeit geworden ist.
Vor allem danke ich Herrn Thomas Leif, der uns mit Rat und Tat bei der Auslo
bung des Brenner-Preises stets fachkundig unterstützt hat. Herzlichen Dank Herr Leif.
Begrüßen möchte ich Heribert Prantl, den Innenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung.
Sie lieber Herr Prantl, haben im letzten Jahr mit Ihrer Laudatio fasziniert und vielen von uns die Relevanz und Notwendigkeit eines Preises für Kritischen Journalismus in der aktuellen Medienlandschaft mit allem Nachdruck deutlich gemacht. Auch dafür gilt Ihnen unser ganz besonderer Dank.
Herzlich begrüßen möchte ich außerdem Herrn Harald Schumann vom Berliner Tagesspiegel. Sie, Herr Schumann, haben die Preisträger in ihrer unnachahmlichen Art vorgestellt und mit ihrem Sachverstand unsere Arbeit unterstützt. Auch Ihnen herzlichen Dank!
Last but not least, möchte ich Herrn Dr. Volker Lilienthal vom Evangelischen Pressedienst – Medien begrüßen, der mit ruhiger und pointierter Sachkunde zur Auswahl der Preisträger beigetragen hat.
Nicht begrüßen kann ich leider Frau Sonia Mikich von der Monitor-Redaktion. Sie ist heute leider verhindert, aber auch an ihre Adresse: Vielen Dank für die Mühe und Unterstützung!
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
lassen Sie mich zu Beginn unserer heutigen Abendveranstaltung drei Bemerkungen machen, die mir als Gewerkschaftsvertreter in der Jury, in den letzten Monaten in der Auseinandersetzung mit dem Thema in besonderem Maße erwähnenswert erscheinen:
1. Medien werden immer wichtiger. Sie werden kommerzieller und sie prägen die Politik stärker als früher. Welche Rolle Medien mittlerweile in unserer Demokratie spielen, war vor der Bundestagswahl 2005 monatelang zu „erleben“. Ich weiß nicht, wie viele von uns Anhänger von Frau Christiansen sind. Diese Sendung hat in unserer Gesellschaft eine Aufmerksamkeit von der mancher nur träumen kann.
Gleichzeitig – und das ist die eigentlich dramatische Entwicklung daran – schwindet die gesellschaftliche Verantwortung der Medien. Medienpolitik ist mittlerweile vor allem zur Macht- und Standortpolitik in unserem Land geworden. Dabei bleibt dann auch noch zu allem Überdruss die Qualität allzu oft auf der Strecke.
Dass zum Beispiel bei den kommerziellen Sendern „Quote vor Qualität“ geht, hat uns nicht mehr sonderlich gewundert. Dass aber mittlerweile auch bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten das Profil durch Imitation der kommerziellen Programme immer weiter verwässert – das darf uns alle alarmieren.
Kürzlich war in der Programmzeitschrift „Hörzu“ eine bemerkenswerte Analyse des Schauspielers Edgar Selge zu lesen, die – so hoffe ich – vielen Programmverantwortlichen anregende Impulse vermittelt hat!
„Es gibt ganze Senderflure mit Leuten, die im Voraus befinden, was Quote bringt und was nicht“, erläutert Selge. „Der Fehler liegt darin, vorher zu manipulieren. Das Publikum wird weit unterschätzt und wir müssen aufpassen, dass Fernsehen nicht zu einer gewaltigen Verdummungsmaschinerie wird gegenüber einem Publikum, das sich ganz gern wecken lassen würde.“
Der Autor nennt diese Entwicklung „Brutalen Quotenkapitalismus“ und spricht aus, was viele in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft denken.
Statt aber diese Entwicklung öffentlich zu debattieren und zu reflektieren, haben es kritische und analytische Beiträge in den Medien immer schwerer. Allzu oft wird versucht, sie in eine Nischenexistenz abzudrängen. Das ist wieder und wieder im persönlichen Gespräch mit Journalisten zu hören.
2. Die Produktion von Medien entwickelt sich immer mehr zu einer kommerziellen Dienstleistung und entfernt sich weiter von ihrem gesellschaftlichen Auftrag. Der Markt allein bestimmt das Geschehen.
Der erfahrene Journalist, der aus eigener Anschauung Prozesse analysiert, gut recherchiert und kommentiert, wird immer seltener gebraucht. Die zunehmende Pressekonzentration und die Überkreuzverhältnisse in der Medienlandschaft scheinen niemanden zu stören. Eine öffentliche Debatte über die Veränderung auf den Medienmärkten gibt es nicht.
Immerhin: Es gibt einige Beobachter, die vor einer Kartellbildung von Spiegel, FAZ und Springer warnen.
Und während die Praktiken der Bild-Zeitung in den 80er Jahren noch zu einem gesellschaftlichen Aufschrei geführt haben, gilt die Bild-Zeitung heute als das zentrale Leitmedium ohne dass ihre zweifelhaften Praktiken von der Konkurrenz unter die Lupe genommen würden.
Und der Spiegel? Der Spiegel hat für uns alle früher eine große Rolle gespielt. Er hat längst nicht mehr diese herausragende Rolle, sondern reiht sich allzu oft in den breiten Strom der Mittelmäßigkeit ein.
3. Gerade wir als Gewerkschafter erleben es tagtäglich, dass es hauptsächlich um große Gefühle, große Skandale und scheinbar eindeutige Vorverurteilungen geht und längst nicht mehr um die nüchterne Relevanz von Ereignissen. Daraus ergibt sich eine einfache Logik, die auf Personen setzt undnicht mehr auf die Aufklärung von Strukturen.
Im Zuge dieser Entwicklung wächst freilich die Bedeutung von Bildern und Überschriften. Die Verdichtung der Realität auf eine Schlagzeile auf wenige Buchstaben ist offenbar nicht mehr aufzuhalten.
Wie oft geben meine Kolleginnen und Kollegen und ich Interviews, manchmal reibt man sich die Augen was daraus gemacht wurde. Zwischen Textfreigabe und Erscheinungstermin wird oftmals dem Stück eine ganz bestimmte Note durch die Überschrift und Bebilderung gegeben. Es ist nicht verwunderlich, dass kritische Einschätzungen von Gewerkschaften, wie wir sie etwa am heutigen Nachmittag zu Europa gehört haben, es immer schwerer haben vor diesem Hintergrund der Entwicklung sich überhaupt noch Gehör zu verschaffen.
Wir erleben es tagtäglich, Medien werden immer wichtiger, aber sie werden auch kommerzieller, was ihre Qualität nicht automatisch verbessert.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Otto Brenner Stiftung will mit dem Preis für kritischen Journalismus ganz im Sinne von Otto Brenner den aufrechten Gang, das Schwimmen gegen den Strom in der aktuellen Medienlandschaft belohnen.
Heute Abend wollen wir Ihnen unsere Auswahl vorstellen!
Ich wünsche uns einen angenehmen Abend mit einem abwechslungsreichen Programm und anschließend vielen guten Gesprächen.
Download: Eröffnungsrede Jürgen Peters