Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, hat in einer Pressemitteilung „die Behauptungen, die in einer Studie von Otto Brenner Stiftung und netzwerk recherche aufgestellt werden“, entschieden zurückgewiesen. Er weist zurück, was in der Studie gar nicht behauptet worden ist. Ein Blick wenigstens in die Thesen oder die Schlußfolgerungen der Studie hätte nicht schaden können.
Die Otto Brenner Stiftung nimmt wie folgt Stellung:
1. In der Studie wird an keiner Stelle behauptet, dass der Informationsanteil im Ersten abgenommen hat. Vielmehr zitiert der Autor Fritz Wolf Ergebnisse der Programmforschung (und belegt das auch durch Tabellen), dass in den letzten Jahren die Nachrichtenanteile im Programm recht stabil geblieben sind. Untersuchungsgegenstand der OBS-Studie ist vielmehr die Frage, ob auch überall Information drin ist, wo Information drauf steht. In diesem Zusammenhang zitiert er auch wieder öffentlich-rechtliche Programmforscher, die herausgefunden haben, dass ein wachsender Anteil an Information eigentlich Infotainment ist – vor allem bei den Privaten, aber eben nicht nur bei den Privaten.
2. Die Aussage, dass TV-Nachrichten insgesamt in den letzten Jahren unpolitischer geworden sind, stammt von dem Medienforscher Georg Ruhrmann und wird in der OBS-Studie zitiert. Dazu gehört die Beobachtung, dass auch in den öffentlich-rechtlichen Nachrichten häufig Personalisierung an die Stelle der Darstellung und Analyse von Strukturen getreten ist.
3. Die Beobachtung, dass in den öffentlich-rechtlichen Sendern im Jahre 2010 Katastrophenthemen mehr und Wirtschaftsthemen weniger geworden sind, ist kein originäres Ergebnis der Wolf-Untersuchung, sondern eine Erkenntnis des Programmforschers Udo Michael Krüger. Der OBS-Autor hat selbst überhaupt keine eigene Programmbeobachtung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern angestellt, sondern auftragsgemäß die öffentlich zugänglichen Ergebnisse der Programmforschung ausgewertet und zudem einige der Forscher zusätzlich befragt.
4. Die Aussage, dass die Primetime ab 20.15 Uhr insgesamt, also bei allen Sendern, nach den Nachmittagszeiten die informationsärmste Sendestrecke ist, lässt sich gleichfalls aus den Analysen des Instituts für empirische Medienforschung ablesen. Das IFEM analysiert die Programmstrukturen der fünf großen Sender.
5. An keiner Stelle der Studie findet sich die Behauptung, dass es im Ersten weniger Dokumentationen und Dokumentarfilme gebe. Vielmehr moniert der Autor, dass Dokumentarfilme und zahlreiche wichtige Dokumentationen oft erst sehr spät, meist nach Mitternacht gesendet werden, Dokumentarfilme auch gern im Sommer. Dann stimmt zwar das „Mengengerüst“, aber die Sendezeit nicht.
Ein aktuelles Beispiel als Beleg? „Strom ohne Atom“ über Atomausstieg und Energiewende lief am Mittwoch, dem 8. Juni um 23.40 Uhr im Ersten. Ist das eine zuschauerfreundliche Sendezeit für ein so wichtiges und heiß diskutiertes Thema? Eher doch ein Abschieben an den Programmrand. Der Autor zieht aus solchen Beobachtungen die Forderung, die öffentlich-rechtlichen Sender sollten ihren Informationsbegriff weiter fassen und solche Produktionen, die die aktuellen Informationen vertiefen können, stärker einbeziehen und den Zuschauern nicht durch Spätprogrammierung vorenthalten.
Die Printfassung der Studie von Fritz Wolf: „Wa(h)re Information – Interessant geht vor relevant“ kann bestellt werden unter ow.ly/5z6r2
Kontakt:
Jupp Legrand
-Geschäftsführung –
Otto Brenner Stiftung
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