Otto Brenner Preis

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Datum: 08. November 2006
Autor: Otto Brenner Stiftung

Otto Brenner Stiftung verleiht Preis für kritischen Journalismus

Journalistische Standards stärken - Qualität vor Quote

Das hr2-Hörfunk-Magazin „Der Tag“ erhält den Otto Brenner Preis 2006 -  

Frank Jansen (Tagesspiegel) und das NDR-Medienmagazin Zapp sind weitere Preisträger

Berlin - Die Otto Brenner Stiftung der IG Metall hat zum zweiten Mal den Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus unter dem Motto „Gründliche Recherchen statt bestellter Wahrheiten“ am Mittwoch in Berlin verliehen. „Der Journalistenpreis drückt für all jene Anerkennung und Unterstützung aus, die kritisch berichten und bei ihren Recherchen den Mut haben, auch gegen den Strom zu schwimmen“, sagte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, in seiner Eröffnungsrede bei der Preisverleihung. Die hohe Resonanz der über 200 Einsendungen zeige, dass die Chance bestehen, einen positiven Trend für die Zukunft des kritischen Journalismus zu setzen. Qualität vor Quote müsse im Vordergrund stehen. Kritischer Journalismus sei ein Weg zur Unterstützung und Förderung des Prinzips der Aufklärung und demokratischen Wachsamkeit ganz im Zeichen des ersten Vorsitzenden Otto Brenner. Nach nur einem Jahr habe sich der Otto Brenner Preis unter den vielen Journalistenpreisen etabliert und werde auch in Zukunft jährlich ausgeschrieben, sagte Peters.

In seiner Festrede zur Preisverleihung hat sich der Publizist des Ringier Verlag, Frank A. Meyer, kritisch mit bestimmten Entwicklungen des Journalismus in Deutschland auseinander gesetzt. Die „heikle Seite“ der journalistischen Aufgabe bestünde darin, Politik und Politiker zu kritisieren ohne gleichzeitig Demokratieverdrossenheit  zu provozieren. „Selbstverständlich müssen wir Kritik üben (...) Doch unsere Kritik darf nicht die Demokratie selbst treffen.“ Eine Gefahr für den journalistischen Berufsstand sieht Meyer außerdem in der zunehmenden Vermarktung als Werbeträger. „Ich mache mir Sorgen um die journalistische Unabhängigkeit: um die Unabhängigkeit vom Staat und seinen Institutionen, aber auch um die Unabhängigkeit von der Wirtschaft und ihren Mechanismen. Nicht zuletzt um die Unabhängigkeit von unserer eigenen Gier.“

Den 1. Preis von 5000 Euro erhält die Redaktion des hr2-Hörfunk-Magazins „Der Tag“. Mit „Der Tag“ sende der Hessische Rundfunk seit nunmehr zehn Jahren eine vorbildliche, maßstabsetzende Radiosendung, die weit mehr ist als die Chronik der laufenden Ereignisse, vielmehr eine monothematische Tiefenanalyse mit oft überraschenden Erkenntnissen und stets vielfältiger Formensprache sei, begründete die Jury ihre Entscheidung. „Alles hat hier seinen Platz und hilft dem Hörer, von der Redaktion sorgsam aufeinander abgestimmt, die Wirklichkeit in Politik, Wirtschaft und Kultur besser zu verstehen“, heißt es in der Begründung der Jury.

Mit dem 2. Preis (3000 Euro) wurde Frank Jansen, Reporter beim „Tagesspiegel“ in Berlin, ausgezeichnet. „Seit zehn Jahren schreibt Jansen mit beachtlicher Kontinuität über jene, die von den rechtsextremen Schlägern fürs Leben gezeichnet wurden“, begründete die Jury. „Seine einfühlsamen Reportagen stemmen sich gegen die verzerrte Medienperspektive, die den Tätern öffentliche Aufmerksamkeit verschafft, während ihre Opfer ihr Trauma meist allein bewältigen müssen. Solches Engagement braucht nicht nur die Hartnäckigkeit, das Thema im Redaktionsalltag immer wieder durchzusetzen, sondern auch den Mut, sich von den Drohungen aus der Naziszene nicht abschrecken zu lassen.“

Der 3. Preis geht an die Redaktion Zapp mit ihrer Spezialausgabe „Verdeckt, versteckt, verboten - Schleichwerbung und PR in den Medien“. Nach Ansicht der Jury verdient die Ausstrahlung dieser informativen, analytisch dichten und mit zahlreichen unveröffentlichten Dokumenten belegten Sendung besondere Anerkennung, weil seriöse Kritik und besonnene Analyse "aus der ARD über die ARD" von den politisch Verantwortlichen nicht gerne gesehen wird. Die Arbeit der Zapp-Redaktion sei eine vorbildliche Teamleistung und sollte Maßstab auch für andere Redaktionen sein, begründet die Jury.

Zusätzlich wurde eine besondere Leistung des Journalisten Lutz Mükke vom Medienmagazin „Message“ in der Kategorie Newcomer-/Medienprojekte ausgezeichnet. Mükke analysiere gründlich und kritisch die Doppeltätigkeiten des Europaabgeordneten Elmar Brok und dessen unverhohlenen Druck auf Korrespondenten vor Ort. Die Zeitschrift „Message“ bezeichnete die Jury als „Medienjournalismus der Extraklasse“.

In Kooperation mit der Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ wurden weiterhin Recherche-Stipendien vergeben. Sie beschäftigen sich mit den Themen „Umgehung datenschutzrechtlicher Bestimmungen mit RFID-Funkchips“ und „Generation Praktika“. Mit den Stipendien solle jungen Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit gegeben werden, frei von ökonomischen Zwängen ihre Projektthemen recherchieren zu können, erklärte die Otto Brenner Stiftung. 

Dies entspreche dem Leitmotiv von Otto Brenner, dem ersten Vorsitzenden der IG Metall, der von den Bürgerinnen und Bürgern "ständige demokratische Wachsamkeit" forderte.